Schlafentzug: wahrgenommene vs. gemessene Ermüdung

Schlafentzug ist ein weit verbreitetes Phänomen, das nicht nur die motorische Funktion beeinträchtigt, sondern auch die Frage aufwirft, wie er sich auf die wahrgenommene und leistungsmäßige Ermüdbarkeit auswirkt, insbesondere bei Frauen. Eine explorative Studie, die neun Frauen umfasste, untersuchte die Effekte von 24 Stunden Schlafentzug auf diese Ermüdungseigenschaften.

Die Teilnehmerinnen absolvierten eine 20-minütige isometrische Ellbogenflexionskontraktion, gefolgt von 10 Minuten Erholung. Dabei wurden verschiedene Parameter wie der überlagerte Zuckungsimpuls (SIT) durch transkranielle Magnetstimulation (TMS) zur Bewertung der supraspinalen Ansteuerung sowie elektromyografische Daten des Musculus biceps brachii analysiert.

Interessanterweise zeigten sich keine Veränderungen in der supraspinalen Ansteuerung oder neuronalen Erregbarkeit während und nach der Belastung. Dennoch waren wahrgenommene Müdigkeit, Anstrengung und Schwierigkeit der Aufgabe bei den durch Schlafentzug beeinträchtigten Probandinnen erhöht. Die Diskrepanz zwischen wahrgenommener und tatsächlicher neuromuskulärer Kapazität wurde durch Schlafentzug verstärkt.

Diese Ergebnisse unterstreichen, dass Schlafentzug die subjektive Wahrnehmung von Müdigkeit und Anstrengung beeinflussen kann, während die eigentliche Leistungsfähigkeit möglicherweise weniger betroffen ist. Trainer und Sportwissenschaftler sollten sich bewusst sein, dass die Auswirkungen von Schlafentzug über die rein physische Leistung hinausgehen und auch die Wahrnehmung der Sportlerinnen beeinflussen können.

Original Studie: https://doi.org/10.1080/17461391.2022.2115944