Kohlenhydratreduzierte Ernährungsformen (z.B. Paleo-Prinzip) und Ausdauereinheiten mit kaum bzw. gering gefüllten Kohlenhydratspeichern in den Muskeln (Glykogenspeichern) werden derzeit von verschiedenen Hobby- und Profi-Sportlern auf unterschiedlichste Weise in der Trainingsphase praktiziert. Diverse Trainingsanpassungen sollen hierdurch optimiert werden. Doch was ist dran, an dieser „Train low“- Hypothese?
Gesichert ist, dass der Verzehr von Kohlenhydraten, Fetten oder Proteine, akute wie chronische Trainingseffekte auf unterschiedliche Weise beeinflussen. Für maximale Leistungen und Wettkampf-Situationen ist der ausreichende Verzehr von Kohlenhydraten essentiell.
Im Hinblick auf erwünschte Ausdauer-Anpassungsprozesse, könnten in der Trainingsphase Belastungseinheiten mit niedriger Kohlenhydratverfügbarkeit (z.B. geringen oder entleerten Muskelglykogen-Vorräten) von Vorteil sein: Trainingsinduzierte Anpassungen können auf zellulärer Ebene, beispielsweise die Transkription diverser Gene, gesteigert werden. Dazu gehört z.B. die mitochondrialen Biogenese- bei diesem biologischen Prozess werden neue Mitochondrien gebildet, sogenannte „Zellkraftwerke“ die eine wichtige Rolle in der aeroben Ausdauerleistungsfähigkeit spielen. Auch der Fettstoffwechsel wird während einer „Train low“-Einheit stärker aktiviert (sowohl während als auch nach der Belastung), u.a. konnte eine erhöhte intramuskuläre Fettverbrennung während mittelintensiven Ausdauerbelastungen festgestellt werden. Ein Training mit entleerten oder gering gefüllten Muskel-Glykogenspeicher stellt somit eine effektive Strategie dar, um den Fettstoffwechsel zu pushen.
Beweise, dass diese gesteigerten Anpassungs-Reaktionen auch in einer Leistungssteigerung resultieren, fehlen allerdings bis heute und benötigen weitere Forschungsarbeiten.
Es gibt verschiedene Ernährungs-Strategien um „Train Low“ durchzuführen und alle beeinflussen wahrscheinlich die Trainingsanpassungen auf unterschiedlichster Weise. Einige Beispiele sind in der untenstehenden Grafik dargestellt:
Allerdings birgt die „Train low“-Strategie nicht nur Pros sondern auch Contras:
Train-low- Trainingseinheiten sollten bei lockeren Grundlageneinheiten zur Optimierung des Fettstoffwechsels ausgetestet werden und nicht bei hohen Intensitäten (z.B. über dem Schwellenbereich oder- Tempo- Training) absolviert werden. Sportler die oft erkältet sind bzw. mit einem instabilen Immunsystem zu kämpfen haben, sollten sehr vorsichtig mit solchen Strategien experimentieren.
Fazit: Möglicherweise kann eine periodisiert eingesetzte und auf die Trainingsplanung abgestimmte individuelle „Train low“-Strategie sinnvoll sein. Was die beste Trainings-bzw. Ernährungsstrategie ist, hängt von der persönlichen Zielsetzung ab und wird idealerweise in enger Zusammenarbeit mit einem Trainer und Sporternährungsexperten festgelegt.
© Corinne Mäder, Juli 2013
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