Alkohol und die gesundheitlichen Folgen

Die gesundheitliche Gefährdung durch Alkohol ist bekannt, aber die tatsächlichen Details werden doch zu gerne von einer breiten Maße und in der Öffentlichkeit „übersehen“. In Anlehnung an den Alkoholatlas des DKFZ (Deutsches Krebsforschungszentrum) soll dieser Artikel die gesundheitlichen Folgen von Alkoholkonsum – insbesondere im Hinblick auf die Entstehung von Krebs – und die krankheitsbedingten sowie sterblichkeitsbezogenen Folgen davon genau beleuchten.

1. Gesundheitliche Folgen: Alkohol und Krebsentstehung

Alkohol ist in mehrfacher Hinsicht ein Risikofaktor für die Gesundheit, da er an der Entstehung vieler schwerwiegender Erkrankungen beteiligt ist. Besonders herausragend ist seine Rolle in der Krebsentstehung.

Abb.1 aus Alkoholatlas-Deutschland-2022 www.dkfz.de

Wie Alkohol die Krebsentstehung fördert

Alkoholkonsum wird direkt mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit in Verbindung gebracht, bestimmte Krebsarten zu entwickeln. Nach Erkenntnissen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) gehört Alkohol zu den bewiesenen, sogenannten karzinogenen (krebserregenden) Substanzen. Dabei sind folgende Mechanismen ausschlaggebend:

1. Acetaldehyd-Bildung:

Wenn Alkohol (Ethanol) im Körper abgebaut wird, entsteht Acetaldehyd, eine hochgiftige und krebserregende Substanz. Acetaldehyd greift die DNA der Zellen an und kann deren Struktur schädigen. Solche DNA-Schäden fördern Mutationen und erhöhen das Risiko, dass Zellen entarten und sich unkontrolliert vermehren.

2. Erhöhte Zellteilung in Schleimhäuten:

Alkohol wirkt irritierend auf die Schleimhäute, insbesondere im Mund- und Rachenraum sowie in der Speiseröhre. Häufiger Alkoholkonsum führt zu einer erhöhten Zellteilung in diesen Bereichen, was die Entstehung von Mutationen fördert. Damit steigt das Risiko für Krebsarten in diesen Schleimhäuten.

3. Beeinträchtigung des Vitaminhaushalts:

Alkohol beeinträchtigt die Aufnahme und Verstoffwechslung von Vitaminen, insbesondere der Vitamine B9 (Folsäure) und B12. Ein Mangel an diesen Vitaminen kann die DNA-Reparatur in den Zellen behindern und das Krebsrisiko erhöhen.

4. Förderung von Hormonen und Entzündungen:

Alkohol kann die Produktion von Hormonen wie Östrogen fördern, das vor allem im Brustgewebe eine Rolle spielt. Ein erhöhter Östrogenspiegel wird mit einem höheren Risiko für Brustkrebs in Verbindung gebracht. Zudem fördert Alkohol Entzündungsprozesse, die langfristig ebenfalls die Krebsentstehung begünstigen können.

Krebsarten, die mit Alkoholkonsum in Verbindung stehen

Nach Angaben des DKFZ und anderer Forschungseinrichtungen erhöht Alkoholkonsum das Risiko für verschiedene Krebsarten. Dazu gehören:

• Mund- und Rachenkrebs

• Speiseröhrenkrebs

• Kehlkopfkrebs

• Darmkrebs (insbesondere Dickdarm und Mastdarm)

• Brustkrebs bei Frauen

• Leberkrebs durch fortschreitende Leberschäden (u.a. Leberzirrhose)

Selbst geringer bis mäßiger Alkoholkonsum kann bereits das Risiko für einige dieser Krebsarten erhöhen. Ein “sicheres” Maß an Alkoholkonsum in Bezug auf Krebsprävention existiert nicht – schon kleine Mengen können das Risiko langfristig erhöhen.

2. Sterblichkeit und Krankheitslast durch Alkoholkonsum

Der Alkoholkonsum hat nicht nur auf die Krebsentstehung, sondern auch allgemein auf die Krankheitslast und Sterblichkeitsrate erhebliche Auswirkungen.

Krankheitslast

Die Krankheitslast wird oft in Disability-Adjusted Life Years (DALYs) gemessen, einer Einheit, die sowohl die verlorenen Lebensjahre durch vorzeitigen Tod als auch die durch Krankheit beeinträchtigten Lebensjahre berücksichtigt. Alkohol trägt zu einer hohen Krankheitslast in Deutschland bei, weil er zu zahlreichen schweren Gesundheitsproblemen führt. Die wichtigsten alkoholbedingten Krankheiten umfassen:

1. Lebererkrankungen:

Chronischer Alkoholkonsum ist die Hauptursache für Lebererkrankungen wie die Fettleber, die alkoholische Hepatitis und die Leberzirrhose. Eine fortgeschrittene Leberzirrhose kann zum Leberversagen und zu Leberkrebs führen.

2. Herz-Kreislauf-Erkrankungen:

Alkohol beeinflusst das Herz und den Blutdruck. Häufiger Konsum kann zu Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen und sogar zu Herzmuskelschäden (kardiomyopathie) führen.

3. Unfälle und Verletzungen:

Alkoholkonsum ist ein wesentlicher Risikofaktor für Verkehrsunfälle, Stürze, Ertrinken und andere Unfälle. Dies betrifft sowohl die Betroffenen selbst als auch unbeteiligte Dritte. Durch Unfälle verursachte Verletzungen sind eine der häufigsten Ursachen für alkoholbedingte Krankenhauseinweisungen.

4. Psychische und neurologische Erkrankungen:

Alkohol kann zu einer Abhängigkeit führen und trägt zur Entwicklung von Depressionen und Angststörungen bei. Langfristiger Konsum schädigt zudem das Gehirn und kann das Risiko für Demenzerkrankungen wie das Wernicke-Korsakoff-Syndrom erhöhen.

Sterblichkeit

Alkoholkonsum ist einer der führenden vermeidbaren Risikofaktoren für Todesfälle. In Deutschland sind jährlich rund 74.000 Todesfälle auf Alkohol oder die Kombination von Alkohol und Tabak zurückzuführen, wie der Alkoholatlas berichtet. Die häufigsten Ursachen für alkoholbedingte Todesfälle sind:

• Krebserkrankungen (etwa 30% der alkoholbedingten Todesfälle)

• Lebererkrankungen (etwa 25%)

• Unfälle und Gewalt (etwa 20%)

• Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Alkoholkonsum verkürzt das Leben um durchschnittlich mehrere Jahre, und das Risiko steigt mit der Menge und Häufigkeit des Konsums. Sogar bei Personen, die im mittleren Lebensalter wenig oder nur gelegentlich Alkohol trinken, kann bereits ein geringer Alkoholkonsum die Lebenserwartung statistisch senken.

Zusammenfassung

Alkoholkonsum hat umfassende und weitreichende Auswirkungen auf die Gesundheit, die Sterblichkeit und die allgemeine Lebensqualität. Er erhöht das Risiko für Krebs, insbesondere durch die Bildung von Acetaldehyd und die Förderung von Entzündungen und Hormonstörungen. Zusätzlich zur Krebsentstehung führt Alkohol zu einer hohen Krankheitslast durch chronische Erkrankungen und erhöht die Wahrscheinlichkeit für vorzeitige Todesfälle – insbesondere durch Krebs, Lebererkrankungen, Unfälle und Herzprobleme. Der Alkoholatlas zeigt daher deutlich, dass Alkoholkonsum ein erheblicher Faktor für vermeidbare Krankheiten und Todesfälle ist.

Ja, der Alkoholatlas und andere Gesundheitsinstitutionen wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geben Empfehlungen für den Alkoholkonsum, unterhalb derer das gesundheitliche Risiko als geringer eingeschätzt wird. Diese Empfehlungen sind jedoch als Richtwerte zu verstehen – auch geringe Mengen Alkohol können bestimmte Gesundheitsrisiken, vor allem für Krebs, erhöhen.

Empfohlene Höchstgrenzen für Alkoholkonsum

Die folgenden Richtwerte gelten als Grenzwerte, um gesundheitliche Schäden durch Alkohol zu minimieren:

Abb.2 aus Alkoholatlas-Deutschland-2022 www.dkfz.de

1. Für Frauen:

• Maximal 10–12 Gramm reinen Alkohol pro Tag, was etwa ein kleines Glas Bier (250 ml) oder ein kleines Glas Wein (100 ml) entspricht.

• Frauen sollten mindestens zwei alkoholfreie Tage pro Woche einhalten, um dem Körper Erholungsphasen zu ermöglichen.

2. Für Männer:

• Maximal 20–24 Gramm reinen Alkohol pro Tag, was etwa ein großes Glas Bier (500 ml) oder zwei kleine Gläser Wein (200 ml) entspricht.

• Auch Männer sollten mindestens zwei alkoholfreie Tage pro Woche einhalten.

Ein Gramm reiner Alkohol entspricht etwa 1,25 ml Alkohol. So enthalten:

• 500 ml Bier (5 Vol.%) etwa 20 Gramm reinen Alkohol.

• 200 ml Wein (12 Vol.%) etwa 24 Gramm reinen Alkohol.

Risiko trotz Einhaltung der Grenzen

Selbst bei Einhaltung dieser Grenzwerte gibt es jedoch kein „sicheres“ Maß, da insbesondere für die Krebsentstehung keine Untergrenze existiert. Studien zeigen, dass schon geringer Konsum das Krebsrisiko geringfügig erhöhen kann. Daher empfehlen viele Experten, Alkoholkonsum nach Möglichkeit weiter oder sogar ganz zu reduzieren.

Besondere Risikogruppen

Für bestimmte Personen oder Lebenssituationen gilt, dass selbst diese geringen Mengen nicht unbedenklich sind. Dazu zählen:

• Schwangere und Stillende: Hier ist jeder Alkoholkonsum tabu, da selbst kleine Mengen dem Fötus bzw. Säugling schaden können.

• Jugendliche und junge Erwachsene: Für Personen unter 18 Jahren wird Alkohol aufgrund der Entwicklungsphase des Gehirns und der erhöhten Suchtanfälligkeit nicht empfohlen.

• Menschen mit bestimmten Erkrankungen (z.B. Lebererkrankungen, bestimmte Krebsarten) oder Medikamenteneinnahme: Hier kann Alkohol die Erkrankung verschlechtern oder Wechselwirkungen mit Medikamenten hervorrufen.

Fazit

Die genannten Mengen sind als Orientierung zu verstehen, um gesundheitliche Risiken zu minimieren. Da es jedoch auch bei geringen Mengen ein erhöhtes Risiko für bestimmte Erkrankungen wie Krebs gibt, empfiehlt der Alkoholatlas eine grundsätzliche Reduzierung des Konsums und die Einhaltung alkoholfreier Tage.

Quelle:

Deutsches Krebsforschungszentrum (Hrsg.). (2022). Alkoholatlas Deutschland 2022. Heidelberg: Pabst Science Publishers. ISBN: 978-3-95853-786-6

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